Diese Welt ist voll mit Verrückten

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Eigentlich ist das Mini-Rock ja nichts anderes, als ein etwas anderes Schülerprojekt: Irgendwann hatten die Horber Jugendlichen keinen Bock mehr auf den ewig gleichen Trott und das ausgestorbene Nachtleben im Neckartal und entschlossen sich kurzerhand ein eigenes Festival aus dem Boden zu stampfen. Nachdem die letzten bürokratischen Hürden übersprungen waren, war die Zeit reif für das Mini-Rock-Festival.

Mittlerweile braucht sich das Projekt nicht einmal mehr vor den gigantischsten Konkurrenten verstecken, denn die Organisation ist professionell und das Gelände einzigartig. Der Horber Fest- und Campingplatz ist durchzogen von Sträuchern und Obstbäumen, die Bühne ist fest im Beton verankert und das Ganze ist vom klaren Wasser des Neckars umschlossen.

Im Lineup regiert der Spaß-Punk, auf dem Campingplatz zu oft das Säufertum, aber trotzdem hat das Mini-Rock einige echte Perlen parat. Bereits am Donnerstagabend entern die ersten Bands die Bühne.

RTR kennt eigentlich Niemand, hauen aber ein überzeugendes hyperaktives, überdrehtes Elektro-Trash-Gebashe-Paket um die Ohren. Marteria aka. Marsimoto hat beim Frauenfeld vor Zehntausenden gespielt, hier ist es die Mini-Zeltbühne. Beides funktioniert prächtig: Merkt euch diesen Namen!(Zum Bericht des Openair Frauenfeld)

Nachdem es am Donnerstag wie aus Eimer geschüttet hat, brennt die Sonne am Freitag erbarmungslos. Zum Glück kenne ich die gesamte Palette der Bear-Gryllz-Überlebenstipps.

Long Distance Calling sehen aus wie eine amerikanische Punkband, spielen aber Postrock vom allerfeinsten. Selbst bei den denkbar unpassenden äußeren Umständen, ist das so sphärisch und mächtig und technisch ausgereift, dass es kräftig flasht! Zebrahead labern viel, spielen wenig: Ansagen und Musik sind insgesamt eher witzlos. Callejon drehen übel am Rad; abgedreht und überdreht! Dann spielen The Thermals, die nicht selten als eine der interessantesten amerikanischen Bands bezeichnet werden. Der Auftritt unterstreicht dies nachhaltig: The Thermals klingen so, wie es die Pixies oder Sonic Youth tun würden, wenn sie sich 15 später gegründet hätten. Grandios! Der Freitags Headliner sind Enter Shikari, eine Art Vorreiter- und Kultband. Für meinen körperlichen Zustand ist der Tekkno-Core-Zwitter schlichtweg zu anstrengend. Egotronic, das Late-Night-Special, leiden zunächst unter dem denkbar schlechtesten Festivalsound aller Zeiten. Dann funktioniert die Technik und das große Ganze prächtig.

Trip Fontaine dieses Mal auf der großen Bühne mit bestialisch besseren Sound. Auf ein Wort: Die talentierteste deutsche Rockband!(Zum Bericht des Ract!-Festival) Jupiter Jones höre ich nur vom Zeltplatz, diese spärlichen Eindrücke machen aber Spaß. Die Absage von Turbostaat nervt, Panteon Roccoco geben kurzerhand der Co-Head+Luckenfüller. Zwei Stunden Latin-Ska, Weltmusik und Gypsy-Disko. K.I.Z. sind der Überheadliner des Festivals und kurz vor Beginn platzt das Festivalgelände aus allen Nähten. Was dann folgt ist Konzertkrieg, eine freundschaftliche Massenschlägerei zu den Hymnen der eloquentesten Berliner Revolutionsführer und Volksverhetzer. Tarek, Nico, Craft und Maxim sind absolut motiviert, spielen sich quer durch ihre musikalische Geschichten und lassen am Ende keine Fragen mehr übrig. Niemand polarisiert so, niemand begeistert so, niemand hält dieses Gesellschaft so passend den Spiegel vor wie die Kannibalen in Zivil.

Video: Müll!